Was versteht man unter Anlaufleistung (Watt) und Dauerleistung (Watt)?

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Wenn es darum geht, unseren Alltag mit Strom zu versorgen, hören wir häufig die Begriffe „Starting Watts“ und „Running Watts“.

Sie klingen technisch, fast wie Fachjargon von Elektrikern – dabei beschreiben sie etwas, womit Sie täglich zu tun haben.

Doch was genau bedeuten Starting Watts und Running Watts eigentlich?

Kurzfassung:

Starting Watts (auch Anlaufleistung, Spitzenleistung oder Surge Power genannt) sind der kurze, höhere Leistungsschub, den ein Gerät benötigt, um die anfängliche Trägheit zu überwinden und zu starten. Running Watts (auch Dauerleistung oder Nennleistung) bezeichnen die gleichmäßige, niedrigere Leistung, die ein Gerät benötigt, um nach dem Start dauerhaft zu funktionieren.

Running Watts

Sobald ein Gerät läuft, pendelt es sich in einem stabilen Betriebszustand ein. Das sind die Running Watts.

Sie beschreiben den kontinuierlichen Energiebedarf, der notwendig ist, um das Gerät effizient zu betreiben.

Das ist relativ einfach: Diese Zahl ist entscheidend, wenn Sie abschätzen möchten, wie lange eine Stromquelle Ihre Geräte versorgen kann.

Benötigt ein Gerät zum Beispiel 100 Watt im Betrieb und stellt Ihre Stromquelle 500 Wattstunden bereit, könnten Sie dieses Gerät theoretisch etwa fünf Stunden betreiben – vorausgesetzt, kein anderes Gerät zieht gleichzeitig Strom.

Starting Watts

Starting Watts, auch Anlauf- oder Einschaltleistung genannt, beschreiben den kurzen, aber intensiven Leistungsspitzenwert, der genau beim Einschalten bestimmter Geräte auftritt.

Dieser Spitzenwert kann zwei-, drei- oder sogar fünfmal höher sein als die laufende Leistung – und hält nur Sekunden, manchmal sogar weniger.

Ohne diese Leistungsspitze kann ein Gerät nicht starten oder im schlimmsten Fall sogar die Stromquelle beschädigen.

Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Nicht jede Leistungsspitze ist gleich.

Induktive Lasten – etwa Motoren oder Kompressoren – verhalten sich anders als ohmsche Lasten wie Heizgeräte oder Toaster.

Induktive Geräte benötigen beim Start deutlich mehr Strom und haben daher höhere Starting Watts, während ohmsche Geräte nahezu konstant die gleiche Leistung aufnehmen.

Warum brauchen manche Geräte einen kurzen Kraftschub zum Starten?

Das hat mit Physik zu tun – genauer gesagt mit der Trägheit. Stellen Sie sich vor, Sie treten ein Fahrrad aus dem Stand an.

Es erfordert einen kräftigen, schnellen Kraftaufwand, um das Fahrrad in Bewegung zu setzen. Ist es erst einmal unterwegs, braucht es deutlich weniger Energie, um die Geschwindigkeit zu halten.

Elektromotoren – etwa in Kompressoren, Ventilatoren, Pumpen oder hochwertigen Werkzeugen – funktionieren nach demselben Prinzip.

Beim Einschalten eines motorbetriebenen Geräts ist der Motor im Grunde ein ruhender Magnet mit Wicklungen.

Um diesen Ruhezustand und den inneren Widerstand zu überwinden, benötigt er für einen kurzen Moment einen sehr hohen Strom.

Dieser wird als Locked Rotor Ampere (LRA) oder Anlaufstrom bezeichnet. Umgerechnet in Leistung ergibt sich daraus die Anlaufleistung – also die Starting Watts.

Dieser Zustand dauert meist nur einen Bruchteil einer Sekunde, höchstens ein bis zwei Sekunden, doch in diesem kurzen Moment kann der Leistungsbedarf zwei-, drei- oder sogar viermal höher sein als im normalen Betrieb.

Warum dieser Unterschied wirklich entscheidend ist

Ehrlich gesagt ignorieren viele diesen Unterschied – bis er zum Problem wird.

Vielleicht suchen Sie nach einer Stromlösung und sehen ein Gerät mit einer Nennleistung von 1.500 Watt. Klingt mehr als ausreichend, oder?

Benötigt Ihr Kühlschrank jedoch 1.200 Watt im Betrieb und 2.500 Watt beim Start, ist diese Leistung plötzlich nicht mehr genug.

Genau hier kann das Verständnis dieser Werte viel Ärger ersparen.

Das gilt auch für die Notfallvorsorge zu Hause.

Ein plötzlicher Stromausfall ist schon stressig genug, ohne zusätzlich rätseln zu müssen, ob Generator oder Batteriespeicher die Anlaufleistung von Pumpe oder Gefriertruhe bewältigen können.

Wenn Sie Starting Watts und Running Watts kennen, können Sie die passende Stromquelle wählen – für mehr Sicherheit und ruhigere Nächte während eines Sturms.

So ermitteln Sie Ihren Strombedarf richtig

Wie stellen Sie also sicher, dass Ihre Stromquelle sowohl Anlauf- als auch Dauerleistung bewältigt?

Beginnen Sie damit, die Running Watts aller Geräte zu notieren, die gleichzeitig betrieben werden sollen.

Anschließend identifizieren Sie Geräte mit hoher Anlaufleistung.

Planen Sie eine Sicherheitsreserve ein – denn im echten Leben läuft selten alles perfekt – um unerwartete Spitzen abzufangen.

Das öffentliche Stromnetz ist fehlertolerant und kann solche Spitzen problemlos ausgleichen.

Portable Stromlösungen haben diesen Spielraum nicht. Ihre Grenzen sind klar definiert.

Kann die Stromquelle die Starting Watts nicht liefern, passiert eines von drei Dingen.

Das Gerät startet nicht. Die Stromquelle schaltet sich zum Selbstschutz ab. Oder beides – wiederholt, bis man entnervt aufgibt.

Und ja: Batteriebasierte Systeme reagieren hier oft empfindlicher als Benzingeneratoren, auch wenn moderne Elektronik diesen Unterschied inzwischen deutlich reduziert hat.

Fazit

Starting Watts und Running Watts sind keine trockenen technischen Daten – sie beschreiben das reale Verhalten Ihrer Geräte.

Running Watts sorgen für den gleichmäßigen Betrieb, während Starting Watts den entscheidenden Startimpuls liefern.

Zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild des Energiebedarfs und helfen Ihnen, besser zu planen, vorbereitet zu sein und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.